Luft-Wasser-Wärmepumpen haben sich in Deutschland zum absoluten Marktführer entwickelt. Über 85 % aller neu installierten Wärmepumpen nutzen dieses Prinzip. Sie entziehen der Umgebungsluft über eine Außeneinheit Wärme, heben das Temperaturniveau mittels eines Kältemittelkreislaufs an und geben die Wärme an das Heizungswasser im Haus ab. Doch warum ist dieses System so beliebt und welche Praxiserfahrungen gibt es?
Das Funktionsprinzip verständlich erklärt
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe funktioniert im Grunde wie ein umgedrehter Kühlschrank:
- Ein Ventilator saugt Umgebungsluft an und leitet sie über einen Wärmetauscher (Verdampfer).
- Ein im Kreislauf zirkulierendes Kältemittel verdampft bereits bei sehr niedrigen Temperaturen.
- Ein elektrisch betriebener Kompressor verdichtet das gasförmige Kältemittel. Durch den Druck steigt die Temperatur stark an.
- In einem zweiten Wärmetauscher (Verflüssiger) wird die Hitze an das Heizungswasser abgegeben.
- Ein Expansionsventil entspannt das Kältemittel wieder, es verflüssigt sich, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Warum die Luft-Wasser-Wärmepumpe dominiert
Der Hauptgrund für den Erfolg liegt in den geringen Erschließungskosten und der unkomplizierten Installation. Im Gegensatz zu Sole-Wasser-Wärmepumpen sind weder teure Erdsonden-Tiefenbohrungen noch großflächige Erdkollektoren im Garten nötig. Das Außengerät wird einfach auf einem kleinen Betonfundament im Garten, an der Hauswand oder auf einer Konsole montiert.
Vorteile im Überblick:
- Geringer Platzbedarf: Perfekt auch für kleine Grundstücke geeignet.
- Baugenehmigungsfrei: In fast allen Bundesländern ist die Aufstellung im Außenbereich verfahrensfrei.
- Kostengünstig: Rund 15.000 € bis 20.000 € günstiger in der Anschaffung als eine Erdwärmepumpe.
- Kühlfunktion: Viele moderne Geräte können im Sommer den Kreislauf umkehren und das Haus passiv um 2-3°C abkühlen.
Effizienz im Winter: JAZ und Arbeitszahl
Skeptiker fragen oft: Funktioniert eine Luft-Wärmepumpe auch bei zweistelligen Minusgraden? Die Antwort lautet: Ja, absolut. Zwar sinkt der Wirkungsgrad (COP), wenn die Außenluft sehr kalt ist, doch dank moderner Inverter-Technologie und Kältemitteln wie Propan (R290) arbeiten diese Heizungen selbst bei -15°C noch effizient. Eine typische, gut geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht in Deutschland eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,3 bis 3,8. Das bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom über das gesamte Jahr hinweg im Schnitt 3,3 bis 3,8 Kilowattstunden Nutzwärme erzeugt werden.